Der Olivenöl Preis

Haben Sie sich schon mal gefragt, warum der Olivenöl Preis so stark variiert?

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Nicht nur die Qualität beeinflusst den Olivenöl Preis. Erfahren Sie, warum ein günstiges natives Olivenöl extra, kein echtes natives Olivenöl extra sein kann und welche Kosten den Olivenöl Preis beeinflussen.

Beginnen wir zunächst mit den Kosten, die in direkten Zusammenhang mit den Bäumen und den Oliven entstehen, insbesondere den Arbeitskosten auf dem Olivenhain und den Produktionskosten nach der Ernte.

Ein Olivenhain bewirtschaftet sich nicht von allein, sondern erfordert eine regelmäßige Pflege. Wenn ein Landwirt selber anbaut und produziert, können die Kosten niedrig gehalten werden, da er alle notwendigen Arbeiten selbst durchführen kann. Umgekehrt gibt es Olivenhainbesitzer und Produzenten, die nicht selbst anbauen und ihr Hain keineswegs persönlich pflegen. Möglicherweise weil Sie im Ausland leben, oder weil der Olivenanbau nicht deren Haupterwerbstätigkeit ist. Hier beginnen die Kosten beträchtlich zu steigen. Dies liegt daran, dass Arbeitskräfte benötigt werden, die für alle notwendigen Arbeiten erforderlich sind.

Welche notwendigen Arbeiten müssen durchgeführt werden?

Der Baumschnitt

Der Baumschnitt ist eine Arbeit, die in der Regel im Frühjahr stattfindet. Er stellt eines der wichtigsten Tätigkeiten dar, es ist ratsam sie Fachleuten anzuvertrauen, sollte man sich damit nicht auskennen. Die Kosten hängen von der Anzahl der zu beschneidenden Bäume ab, man rechnet hier mit ca. 4-5 € pro Baum. Es hört sich erst mal nicht nach viel an, rechnet man es aber auf 1000 Bäume hoch, kommt schon eine nette Summe zusammen.

Das Pflügen

Auch das Pflügen ist eine wichtige Arbeit, die nicht außer Acht gelassen werden sollte. Es beseitigt das Unkraut, welches Träger von Pflanzenschädlingen sein kann und es bietet einen gewissen Schutz vor Feuer in der heißen Trockenzeit. Je nach Jahr und saisonaler Wetterlage, muss ca. 3-4 Mal gepflügt werden. Die Kosten für das Pflügen betragen etwa 50 € pro Hektar.

Schutz der Bäume

Auch diese Art der Pflege ist notwendig, manchmal sogar entscheidend, um die gesamte Ernte vor Schädlingsbefall zu schützen. Hier müssen sowohl die Kosten der verwendeten Produkte, als auch die Arbeitskosten für die Durchführung der Behandlung berücksichtigt werden. 2-3 Behandlungen pro Jahr können erforderlich sein, die Kosten hängen von den verwendeten Produkten ab. Die Behandlungskosten betragen ca. 30 € – 50 € pro Hektar, je nachdem ob eine konventionelle oder eine biologische Behandlung durchgeführt wird.

Die Ernte

Hat der Bauer keine eigenen Erntemaschinen, Traktoren oder Hilfsmittel zur Verfügung, ist er auf externe Mitarbeiter angewiesen. In diesem Fall würden für die Ernte, Mehrkosten (zusätzlich zum Lohn für die Erntehelfer) von rund 18 € pro 100 KG Oliven entstehen. Hinzu kommt der Erntezeitpunkt, genauer gesagt in welchem Reifestadium die Oliven geerntet werden. Ein weiterer Faktor ist die Erntemethode, ob die Oliven in Handarbeit oder mit schweren Erntemaschinen geerntet werden. Der aber wichtigste Faktor der den Olivenölpreis beeinflusst, ist die Menge des Ertrags an Oliven. Ist das Jahr von einer Knappheit an Oliven geprägt, kann der Preis unaufhaltsam steigen.

Wie beeinflusst die Verarbeitung der geernteten Oliven den Ölpreis?

Wenn sich der Produzent für eine traditionelle Kaltverarbeitung entscheidet, werfen die Oliven nur eine geringe menge Öl ab, jedoch mit einer viel höheren Qualität, eine Qualität, die sich natürlich auf den Preis auswirkt. Bei einer Kaltpressung oder einer Kaltextraktion, darf die Temperatur der Olivenmasse 27 Grad Celsius nicht übersteigen. Nicht selten wird die Olivenmasse bei Temperaturen über 30 Grad verarbeitet, um so den Ertrag zu steigern. Die Preise für die Verarbeitung variieren je nach Region und von Mühle zu Mühle, aber im Allgemeinen liegen sie bei ca. 12–15 € pro 100 Kg.

Hier alle Faktoren, die den Olivenöl Preis beeinflussen:

  • Kosten für das Pflügen, den Pflanzenschutz, das Beschneiden und Ernten
  • Kosten für das Verarbeiten der Oliven und abfüllen des Öls
  • Ölertrag je nach Erntejahr und Olivensorte
  • Überfluss oder Knappheit der Oliven in der Region
  • Produktionsvolumen und Großhandelspreise in europäischen Produktionsländern wie Spanien, Griechenland und Portugal

So können die Kosten für einen Liter natives Olivenöl extra berechnet werden, die je nach Art der Verarbeitung auf 4,60 € – 8,40 € geschätzt werden.

Kosten für die Etikettierung, Flasche und Verpackung

Diejenigen, die ihr Olivenöl vermarkten und nicht der Mühle überlassen wollen, müssen zusätzliche Kosten für den Druck von Etiketten und den Kauf von Flaschen und Verpackungen berücksichtigen.

Hier hängen die Kosten von den abgenommenen Mengen ab, aber grundsätzlich:

  • Der Preis eines kleinen Kartons kann zwischen 0,30 € und 0,70 € kosten
  • Die Kosten für ein doppelseitiges Etikett liegen bei ca. 0,20 € und 0,40 €
  • Die Kosten für eine Flasche variieren zwischen 1,30 € und 1,60 €

Hinzu kommen Marketingkosten wie Werbemaßnahmen, Internetauftritt etc. und nicht zu vergessen die Steuern, die erhoben werden.

Wie viel kostet also 1 Liter gutes italienisches natives Olivenöl extra?

Berücksichtigt man alle Faktoren kann man sich gut vorstellen, dass der Literpreis nicht unter 10 € kosten kann. Ein Öl, welches zu einem niedrigeren Preis angeboten wird, ist und kann kein echtes natives Olivenöl extra sein. Vermutlich kommt es nicht mal zu hundert Prozent aus Italien. Es ist ein Irrglaube, dass die Produzenten, die ihr Öl zu einem höheren Preis verkaufen, automatisch eine höhere Gewinnspanne gegenüber den Ölen haben die in den Supermarktregalen stehen. Je nachdem ob die Produzenten auf Masse oder Klasse setzen und was für eine Marketingstrategie sie fahren, können die Preise sehr unterschiedlich sein.

Fazit: Ein natives Olivenöl extra, das für wenige Euro pro Liter im Supermarktregal steht, kann kein Olivenöl von guter Qualität sein, da die Verkaufskosten die Produktionskosten nicht decken.

Wie es sein kann, das Olivenöle der höchsten Qualitätsstufe zu Spottpreisen verkauft werden, wird bald in einem weiteren Artikel zu lesen sein.

P.S.: Die angegebenen Kosten im Artikel sind nicht verallgemeinerbar, sie können je nach Region stark variieren. Sie sind Schätzwerte, die sich aus Gesprächen mit anderen Olivenbauern ergeben haben.

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