Die kulinarische Geschichte Siziliens

Von den Griechen über die Römer zu den Arabern und Schwaben

Kulinarische Geschichte siziliens
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Die sizilianische Küche gilt als eine der reichhaltigsten und vielfältigsten Küchen weltweit. Es ist nicht mal so schwer daran zu glauben, wenn man sich mit der Geschichte der Insel befasst. Die kulinarische Geschichte Siziliens dauert seit mehr als zwei Jahrtausenden an und wurde stark von ihren zahlreichen Völker, die sich dort ansiedelten, beeinflusst. Griechen, Phönizier (Libanon), Römer, Vandalen und Ostgoten (germanische Stämme), Byzantiner, Araber, Normannen (Wikinger dänischer und norwegischer Herkunft), Schwaben, Angevinen (Frankreich), Aragonesen (Spanien), sie alle und viele mehr waren auf der Insel. Die strategische Position der Insel im Zentrum des Mittelmeers hatte Sizilien seit der Antike zum Objekt von Eroberungen und Handel gemacht, sodass es in Kontakt mit einer Vielzahl verschiedener Kulturen kam. Dieser Austausch verschiedenster Kulturen beeinflusste und bereicherte Sizilien, es verlieh der Insel ihre Identität. Die Sizilianer identifizieren sich damit und sind sehr stolz auf ihre Kultur und den vielfältigen Möglichkeiten ihrer Küche. Die Menschen blieben den Aromen des Meeres und jenen, die die Insel hergibt, verbunden. So werden einige Rezepte sehr alten Ursprungs immer noch häufig zubereitet und serviert. Sowohl das außergewöhnliche Klima als auch die günstige geografische Lage beschaffen der Insel beste Eigenschaften für das Wachstum ihrer Früchte. Obwohl es immer Unterschiede zwischen den Besatzern und den Sizilianern gab, nahmen sie die Einflüsse der vielen Kulturen, von denen sie dominiert wurden, auf einheitliche Weise auf. Dies führte zu einer homogenen kulinarischen Kultur.

Griechischer Einfluss

Griechischer Einfluss

Die alte sizilianische Küche, die stark vom Fischkonsum geprägt ist, war seit der ägyptischen Zeit bekannt und bei den Griechen sehr beliebt. Sizilianische Köche galten als die am besten ausgebildeten. Unter ihnen war Miteco Siculo, der Autor des ersten Kochbuchs der Geschichte. Er arbeitete sowohl in Sparta als auch in Athen und machte die sizilianische Küche in Griechenland bekannt. Und genau aus dieser griechischen Welt kommen auch die ersten wichtigen Einflüsse auf die Insel. Die Griechen vermittelten den Inselbewohnern ihre Liebe zu Ricotta, verbesserten die Anbaumethoden der Weinberge, führten Oregano und süße Speisen aus Mandeln und Honig ein. Sie importierten aber vor allem den Olivenbaum. Für die Sizilianer wurden die Oliven für eine Vielzahl von Gerichten unverzichtbar

Römische Herrschaft und jüdische Lehren


Während der römischen Herrschaft änderte sich nicht viel, im Gegenteil, die Oberschicht des antiken Roms (die Patrizier) kämpften um die Inselköche. Die einzigen Neuerungen stammen aus der jüdischen Gemeinde, die die Verarbeitung von Gemüse, die Verwendung von in Olivenöl gebratenem Knoblauch und die Zubereitung von Innereien einführte. Sie brachten den Sizilianern bei, dass Essen niemals weggeworfen wird, sondern alles verwertet wird. Die weizenreiche Insel diente als Getreidespeicher der Römer. Das Brot verbreitete sich zwar zu griechischen Zeiten, aber mit der Zeit entwickelten sich neue Zubereitungsmethoden um es zu backen und dann in Wein und Honig zu tauchen. Nach den Zirkusspielen erfrischten sich die Zuschauer in den Tavernen mit schnellen Gerichten wie frittiertem Fisch, Focaccia oder Pfannkuchen. Daraus entwickelten sich wahrscheinlich die vielen typischen Restaurants.

Neues von den Byzantinern

Nach dem Ende der kaiserlichen Herrschaft, brachten die Byzantiner Zimt und Nelken. Der byzantinische Einfluss findet sich auch in der neuen Art der Käseverarbeitung. Während die Sizilianer sich früher auf die Herstellung von Salz- und Cacioricotta beschränkt haben, werden von jetzt an auch würzige und weiche Käsesorten hergestellt.

Arabische Revolution

Der arabische Einfluss war für die sizilianische Küche revolutionär. Während es einige Historiker gibt, die den Ursprung von Nudeln in China identifizieren, behaupten andere stattdessen, dass die Nudeln in verschiedenen Teilen der Welt unabhängig voneinander entstanden seien. Auf Grund des Handels und des kulturellen Austauschs mit dem Orient ist es durchaus glaubhaft, dass es die Araber waren, die das Wissen über die Herstellung von Nudeln nach Sizilien brachten. Wissen, das sich dann in ganz Europa verbreitete. Obwohl die Art und Weise wie die Nudeln nach Sizilien kamen, geheimnisvoll bleibt, kann man mit Sicherheit sagen, dass sich in dieser Zeit die Produktion sizilianischer Nudeln entwickelt hat, insbesondere die Herstellung der Spaghetti.

Es gibt eine Anekdote die besagt, wie das erste „Mare e Monti“ Gericht der Geschichte entstanden ist (Mare e Monti, sind Gerichte welche Zutaten aus dem Meer, mit Zutaten vom Land kombinieren). In Syrakus befand sich ein arabischer Koch in der Situation, die Armee angemessen ernähren zu müssen. Dies musste natürlich sehr schnell geschehen, um die Soldaten bei Laune zu halten. Er musste daher mit den in der Gegend verfügbaren Zutaten zurechtkommen. Das Ergebnis war ein Gericht aus Nudeln mit Sardinen, gemischt mit wildem Fenchel und Pinienkernen. Das Gericht brachte Kohlenhydrate, Eiweiß und Gemüse zusammen. Die Araber waren auch diejenigen die Orangen, Zitronen, Zuckerrohr, Reis, Safran und Sesam auf die Insel brachten. Aber die wichtigste Revolution ist vielleicht die der Süßspeisen. Es waren die Araber, die den Sharbat, den Vorreiter des Sorbet, mitbrachten und dafür die sogenannten „Neviere“ auf der ganzen Insel bauten (Neviere ital. waren unterirdische Räume, deren Zweck es war, den Schnee bis zum Sommer zu bewahren). Marzipan und Mandelpaste sind ebenfalls arabisch. Mit Ricotta hingegen entwickelten arabische Konditoren, Prototypen, die später von den Sizilianern zu Cannoli und Cassata weiterentwickelt wurden. Im Gegensatz dazu, erreichte Couscous die Insel erst Jahrhunderte nach dem Ende der arabischen Herrschaft. Das Couscous hat es geschafft einen wichtigen Platz in der sizilianischen Tradition einzunehmen, insbesondere im Küstenstreifen von Trapani, der Küste mit Blick auf Tunesien.

Die Normannen und die Klöster der Schwaben

Versierte Jäger wie die Normannen aus Nordeuropa, verstärkten die Wildgastronomie und führten den Stockfisch ein, der später ein grundlegendes Element für einige Gerichte wie den Stoccafisso allasiciliana wurde. Später bauten die Schwaben zahlreiche Burgen sowie Klöster, in denen sich (hauptsächlich für die höheren Klassen) neue Rezepte für rotes Fleisch und größere Fische entwickelten.

Die Aragonesen und die fremden Dinge der Welt

Dank des spanischen Einflusses kamen die Gewürze Ostindiens gemeinsam mit Paprika, Kürbisse, Tomaten, Puten und Kakao auf die Insel. Mit der Einführung der neuen Gewürze gaben sich die Nonnen der Klöster viel Mühe der Kunst der Konditorei neues Leben einzuhauchen. Sie kreierten die Cassata, Cannoli, Cassateddi, u. v. m. Dies sind alles Dolci (Süßigkeiten) die mit Ricotta, Schokolade, Zimt, kandierten Früchten oder Likör zubereitet und in verschiedenen Teigsorten gefüllt werden. Die Nonnen des Martorana-Klosters in Palermo modellierten Marzipan und Mandelpaste in Form von Obst und Gemüse. Diese Produkte haben heute den Namen „Frutta Martorana“ (Martorana Obst). Auch die bekannten und leckeren Osterlämmer aus Marzipan sind die Arbeit der Nonnen.

Schlusswort

Die sizilianische Küche spiegelt die mediterrane Ernährung wieder, die von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt wurde.

Dieser Artikel berührt nur oberflächlich einige Phasen der Entwicklung der sizilianischen Küche und überspringt andere, da das Thema wirklich sehr umfangreich ist. Mit diesem Artikel habe ich versucht, deine Neugier gegenüber dieser schönen Insel zu wecken. Falls es mir gelungen sein sollte und du dich vielleicht dafür entscheidest mal Sizilien zu besuchen, würde ich mich freuen, wenn du mir darüber berichtest. Möchtest du dir stattdessen ein kleines Stück Sizilien in deine Küche holen, kannst du dies mit unserem „IL Barone natives Olivenöl extra“ aus unserem Shop tun.

Danke fürs Lesen und Ihr Interesse über die kulinarische Geschichte Siziliens

Giova

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